BIOGRAPHIE:

 

Name:                      Robert Reisinger

geboren:                  13.Juni 1972 in Weiz  

wohnhaft:                 Plenzengreith / Steiermark

Beruf:                      Polizeibeamter in Graz

 

Schon als Kind haben mich Flugzeuge und alles was mit der Fliegerei zu tun hat interessiert.

Da ich am Fuße des Schöckls aufgewachsen bin konnte ich schon als Bub, quasi vom Küchenfenster aus, die Drachenflieger beobachten und wusste, dass ich das unbedingt einmal machen möchte.

Mit 12 Jahren begann ich Modellflugzeuge (Segelflugzeuge) zu bauen, hier machte ich meine ersten Erfahrungen mit Aufwind und Thermik, was mir später sehr hilfreich war.

1993 machte ich den Hängegleiter-Grundkurs bei der Flugschule Steiermark (damals noch in Trofaiach) im Anschluss den Sonderpilotenschein und 1995 begann ich Bewerbe zu fliegen.

Zu dieser Zeit hatte mich der „Virus“ Drachenfliegen schon voll in seinen Bann gezogen.

Für die meisten wahrscheinlich unvorstellbar, wird es meinen Fliegerkollegen ein Lächeln entlocken, dass ich damals einen Urlaub, den ich gemeinsam mit Freunden in Griechenland verbringen wollte abgebrochen habe als ich hörte, dass zu Hause perfektes Flugwetter herrscht. Ich nahm die nächstbeste Maschine nach Graz und tauschte Sonne, Strand und Meer gegen Thermik auf der Emberger Alm! Es war eine gute Entscheidung, denn ich flog tags darauf ein 183km-Dreieck, was damals Österreichischer Dreiecks-Rekord war!

Bereits 1996 wurde ich ins Österreichische Nationalteam aufgenommen und im selben Jahr zum ersten Mal Europameister mit der Mannschaft. In der Einzelwertung belegte ich Platz 23 unter 150 Teilnehmern.

Danach ging es Schlag auf Schlag. 1997 wurde ich zum ersten Mal Steirischer Meister und Vizestaatsmeister. 1998 dann Weltmeister mit der Mannschaft in Forbes (Australien) sowie Europameister mit der Mannschaft in der Slowakei. Hier erreichte ich in der Einzelwertung bereits den 5. Gesamtrang, und um die Vormachtstellung der Österreicher zu unterstreichen: alle 5 Piloten des Teams belegten Plätze unter den ersten 10 des Bewerbs!

Speziell in dieser Zeit habe ich sehr davon profitiert in einem so erfolgreichen Team zu fliegen. Ich habe von meinen Team-Kollegen, allen voran Manfred Ruhmer, sehr viel gelernt und es hat mir geholfen, selbst sehr schnell recht erfolgreich zu werden. Ich denke, das ist einer der Hauptgründe warum das Österreichische Team schon viele Jahre so erfolgreich ist. Die jungen Drachenflieger sind es bei uns von Anfang an gewöhnt, auch bei nationalen Bewerben, gegen einen Teil der Weltspitze zu fliegen. Wenn man in Österreich vorne dabei ist, hat man auch international gute Chancen.

1999 wurde ich Speedmaster in Kitzbühel beim Red-Bull-Speedrun. Dieser Bewerb setzt sich aus den Disziplinen „Match-Race“ und „Downhill“ zusammen. Beim Match-Race fliegen immer 2 Piloten im K.O.-System gegeneinander und beim Downhill flogen wir mit sehr hoher Geschwindigkeit die Streif hinunter wobei Richtungs- und Tiefflugtore zu passieren waren.
Und so sah das aus:
http://www.youtube.com/watch?v=vAiJsUXgknQ&NR

Hier gewann ich vor Mandi Ruhmer und Rupi Plattner. Am Start waren ca. 20 geladene Top-Piloten aus verschiedenen Nationen.

Im selben Jahr gewann ich den Austria-Cup und die Vor-Europameisterschaft in Innsbruck. 2000 wurde ich wieder Europameister mit der Mannschaft sowie Vize-Europameister in der Einzelwertung. Ein weiteres Highlight in diesem Jahr war der Österreichische Streckenflugrekord; ich flog 270km vom Schöckl bis zur Gerlos und war 8 Stunden in der Luft. Ich konnte bei einem Fliegerfreund übernachten und startete am nächsten Tag am Wildkogel um wieder nach Hause zu fliegen. Es wäre auch beinahe gelungen nur wurde ich dann in St. Michael bei Leoben durch eine Gewitterfront zum Landen gezwungen.

Im Jahr 2001 stand ich dann zum ersten Mal bei einer WM in der Einzelwertung auf dem Siegespodest. Ich wurde damals Dritter in der Einzelwertung. Besonders an dieser WM war, dass Platz 1, 2 und 3 an Österreich ging, somit wurden wir natürlich auch mit der Mannschaft abermals Weltmeister.

Im Jänner dieses Jahres hatten wir (4 Piloten) die Möglichkeit vor dem Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel einen Showflug zu machen. Bei traumhaften Wetter jagten wir vor 50.000 begeisterten Zuschauern die Streif hinunter. Ein ganz besonderes Erlebnis, vor allem weil wir in unserer Sportart leider nie ein so zahlreiches Publikum haben. Hier ein Video davon: http://www.youtube.com/watch?v=9albSsTy-TE&NR=1

2002 gab es wieder Gold für die Mannschaft bei der Europameisterschaft, diesmal in Slowenien und 2003 wurde ich zum ersten Mal Staatsmeister. Das war ein ganz besonderer Erfolg für mich, da Österreich, wie bereits erwähnt, mehrere Weltspitze-Piloten im Team hat und es nicht selbstverständlich ist bei uns Staatsmeister im Hängegleiten zu werden.

Im Jahr 2003 stand wieder eine WM ins Haus, diesmal in Brasilien. Durchgeführt wurde diese WM in der Hauptstadt Brasilia, wo ich in der Einzelwertung einen Platz zur letzen WM gutmachen konnte und somit Vizeweltmeister in der Einzelwertung und bereits zum dritten Mal Weltmeister mit der Mannschaft wurde. 2004 konnte ich meinen Staatsmeistertitel erfolgreich verteidigen und die Mannschaft gewann wieder Gold bei den Europameisterschaften in Frankreich (nun schon zum fünften Mal in Folge!). Im Jahr 2005, wurde das Team fast zur Hälfte neu formiert und man hat uns für den WM-Titel keine großen Chancen ausgerechnet. Die anderen Nationen scharrten schon in den Startlöchern und warteten nur darauf eine Niederlage vom „Wunderteam der Lüfte“ (wie wir einmal genannt wurden) zu sehen. Jedoch so einfach sollte es auch für die anderen nicht werden. Erst am letzten Tag entschied sich, dass diesmal das Australische Team (in diesem Fall die Hausherren) den begehrten Weltmeistertitel knapp vor Österreich gewinnen konnte. Ich wurde erneut Vizeweltmeister in der Einzelwertung.

Gleich nach der WM in Australien flog ich erstmals mit einem Starrflügler (Atos der Firma A.I.R.) einen Bewerb. Es war die Vor-WM in Florida, die ich mit großem Punktevorsprung gewonnen habe. Nach diesem Erfolg war es klar, dass ich auch die WM 2006 in dieser Klasse bestreiten würde. Und im Mai 2006 war es dann soweit: ich konnte meinen ersten Weltmeistertitel in der Einzelwertung (Klasse FAI 5 - Starrflügler) feiern! Das Team holte die Bronze-Medaille.

Eine spannende Abwechslung zur Bewerbsfliegerei war ein Werbespot den ich im Jahr 1999 für die Firma KIA gedreht habe (auf meinem Hausberg, dem Schöckl bei Graz) und im Jahr 2004 wurde ein Drachenflieger für die Fernsehserie
„4 Frauen und ein Todesfall“ benötigt. So war ich auch als "Stuntman" tätig.

Da mich alles was in Zusammenhang mit dieser Sportart steht interessiert blieb es natürlich nicht beim Fliegen alleine sondern ich begann in der Entwicklung der Geräte mitzuarbeiten. Neben verschiedenen Veränderungen am Segelschnitt und am Rahmen, die ich gemeinsam mit Manfred Ruhmer erarbeitet habe, entwickelte ich auch die erste profilierte Carbon-Speedbar (Steuerbügel) und die erste Instrumentenverkleidung aus GFK, die nun von allen Drachenherstellern gefertigt werden und Standard für alle Wettbewerbspiloten sind.

Der Baustoff Carbon wird in vielen Bereichen immer öfter eingesetzt, so auch in unserer Sportart. Ich habe mich sehr intensiv damit beschäftigt und verbringe die meiste – nicht fliegbare – Freizeit in der Werkstatt und tüftle an weiteren Neuerungen.

Der Carbon-Lattensatz z.B. hat mir bei der WM 2003 in Brasilia einen Leistungszuwachs gebracht, mit dem ich in der Form nicht zu hoffen gewagt hätte.

Ein Fliegerkollege meinte einmal: "Der Reisigner würde sich sogar die Ohren abschneiden würde es aerodynamisch etwas bringen!" - diese Aussage kann ich jedoch nicht bestätigen! ;-)

Die Fliegerei, vor allem die Wettbewerbsfliegerei bedeutet für mich, dass ich all meine zur Verfügung stehende Freizeit dafür investieren muss um erfolgreich zu sein. Besonders für mich als Amateur ist es oft nicht so einfach alles unter einen Hut zu bringen. Viele Piloten der absoluten Weltspitze sind Profis und müssen sich nicht um Urlaubstage oder Überstunden Gedanken machen. Für mich heißt es jedes Jahr, unbezahlten Urlaub zu beantragen, damit ich die wichtigsten Bewerbe bestreiten kann und auch genügend Zeit fürs Training habe. Darum bin ich sehr dankbar, dass mich einige Firmen, allen voran die Firma Kostmann Transporte als Sponsor unterstützen, damit die finanzielle Seite etwas leichter zu bewältigen ist.

Weiterhin viel Spaß beim Schmökern auf meiner Homepage und

See you in the sky!

img1.jpg